Maria und andere weibliche Vorbilder in den abrahamischen Religionen

Dass Jesu Vater Joseph aus dem Hause David stammte, das wissen viele aus der Weihnachtsgeschichte. Dass aber Maria nicht nur Jungfrau war, sondern auch aus dem ehrwürdigen Priestergeschlecht des Mosebruders Aaron stammte, ist weniger bekannt. Muslim*innen kennen ihre Herkunft aufgrund der Sure 3, die Jesu Abstammung gewidmet ist. Bei den Christ*innen, ja selbst den Katholik*innen ist der doppelte Adel Jesu gegenüber Marias Unbeflecktheit in den Hintergrund geraten. Jesus wuchs damit nicht nur in dem Haus eines anerkannten Bauunternehmers (ein Zimmermann war damals wer!) auf, sondern es schwebten quasi, wie sonst kaum in antiken Nazareth, tausend Jahre Judentum durch die Räume der heiligen Familie.

Upgrading Maria
Maria und andere Heilige

Während Maria im Matthäus-Evangelium ihren Sohn Jesus noch davor bewahren will, sich um Kopf und Kragen zu reden, indem sie ihn für verrückt erklärt, stachelt sie bei Lukas den Heiland geradezu zum Zaubern an. Nach einigem Zögern verwandelt Jesus Wasser in Wein. Lukas erzählt dann auch die Vorgeschichte des Geschlechtes anhand eines Besuches von Maria bei ihrer Cousine Elisabeth, gefeiert als „Maria Heimsuchung“. Sie kommt in den beiden älteren Evangelien von Markus und Matthäus schlicht nicht vor. Mit dieser Erzählung war Maria neben Jesus als wichtigste christliche Ikone gesetzt.

So war es nur konsequent, dass eine Gruppe von Künstler*innen unter der Führung von Samuel Wiesemann diesen Sommer vom 16. Juli 2021 bis 15. August 2021 (Maria Himmelfahrt), die Gottesmutter als Motiv wählten, um die Möglichkeit aktueller sakraler Kunst zu testen. Durch die Vermittlung unseres Vorstandsmitgliedes Stefan Höppe fand sich ausgerechnet eine evangelische Kirche als Ort für dieses Experiment: Die nur noch wenig genutzte Stephanuskirche in der Prinzenallee 39/40, die seit einiger Zeit Nutzungen über den Gottesdienst hinaus sucht. Wir danken noch einmal der Gemeinde an der Panke für diese Unterstützung.

Stefan Höppe hat im Rahmenprogramm umfängliche Musikdarbietungen aus dem Bereich der klassischen und sakralen Musik organisiert. Leider sind die Darbietungen nur unzureichend dokumentiert. Wir könnten hier nur die Werke und Interpreten nennen, was aber in diesem Block schon in einem Ankündigungsartikel geschah („Upgrading Maria 2021“: Ein Sommerereignis besonderer Art, weiter unten mit gleichem Schmuckbild).

Mitgeschnitten und bearbeitet wurde jedoch das Interreligiöse Gespräch zum Thema, das vierte seiner Art. Zusammengebracht haben Rebea Malik vom Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB) und Thomas Kilian von unserem Soldiner Kiez e.V. Vertreter*innen des Judentums, des Islam und des evangelischen und katholischen Christentums. Dabei haben sie das Thema etwas ausgeweitet: Sie fragten nach „Weiblichen Vorbildern in den abrahamischen Religionen“. Mit Maria erlaubten sie sich denn dann doch noch ein kleines Spiel: Christinnen und Musliminnen sollten beschreiben was für eine Frau Maria wohl heute wäre? Reinhart Liam Rickertsen von der Synagogengemeinde Berlin Sukkat Schalom schilderte seine Lieblingsfrau aus der jüdischen Religion. Die Antworten hat unser Kiezreporter Matthias von Hoff aufgezeichnet. Der Film findet sich sich in seinem YouTube-Kanal. (Autor: Thomas Kilian)

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Sommerausflug auf dem Kleinstadtpflaster

Sommerausflug des Soldiner Kiez e.V. nach Bernau, vor dem Stadttor mit Hungerturm. Foto: Stefan Höppe.

Wer mit dem Soldiner Kiez e.V. auf Reisen geht, der*die kann was erleben. Vor allem, wenn Diana Schaal den Trip vorbereitet hat und so manches zu erzählen weiß. So fuhren wir am 24. Juli 2021 ins mittelalterliche Bernau und erfuhren von Dorothea Meermann. Auf deren Haus saß einst ein Drache, und die resolute Bernauerin hat ihn gefüttert, bis das Ungetier bald durchs Fenster aus- und einflog. Das gab jedenfalls ihr Nachbar Conrad Tiechel bei Gericht zu Protokoll. Und weil die Mutter und die Großmutter der Meermann auch schon als Hexen verbrannt wurden, folterte der Scharfrichter sie mit glühenden Zangen, bis sie verstarb. Das war nicht etwa im finsteren Mittelalter, sondern 1619, in der sogenannten Frühen Neuzeit. Durch Bernau fegte damals eine wahre Hexenjagd. Schließlich verbrannten die Rechtgläubigen auch noch die Tochter der Meermann. Sie hätte ihre Mutter verzaubert, damit diese unter der Folter schmerzfrei einschlafe. Die meisten der 25 Frauen und drei Männer, die zwischen 1536 und 1658 als Hexen getötet wurden, starben zwischen 1617 und 1621.

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„Upgrading Maria 2021“: Ein Sommerevent der besonderen Art

Ein Event der besonderen Art findet in diesem Sommer in der kühlen Stephanuskirche, Prinzenallee 39/40, statt: die Madonnenausstellung. Freitag, den 16. Juli 2021, bis zum Sonntag, den 15. August 2021, ringen dort Künstler*innen unter dem Titel „Upgrading Maria 2021“ um ihren Vorschlag für eine zeitgemäße Darstellung der Gottesmutter. Die Veranstalter, die Gemeinde an der Panke, der Soldiner Kiez e.V. und der Projektraum Mehrwert Kunst, bieten ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit Musik und Reflexion zur Bilderschau:

Upgrading Maria
Maria und andere Heilige von Magdalena Paz

Freitag, 16. Juli, 16-20 Uhr: Vernissage/ Kurzvorträge/ Musikprogramm (Ausschnitte aus Pergolesis „Stabat Mater“, Ave Marias von Bach/ Gounod und A. Vavilov) mit Sun Komarova (Alt), Elii Varjiska (Alt), Andrej Bartmann (Tenor) und Klavierbegleitung

Freitag, 23. Juli, 18.30 Uhr: Konzert „Ein Marienleben“ (Liederzyklus von Paul Hindemith nach dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Rainer Maria Rilke) mit Yvonne Friedli (Sopran) und Constantin Alex (Klavier)

Donnerstag, 5. August, 19 Uhr: Konzert „Ave Maria – Vertonungen aus 1000 Jahren Musikgeschichte, von der Gregorianik bis zur Neukomposition mit Andrea Chudak (Sopran), Julian Rohde (Tenor), Matthias Jahrmärker (Bariton) und Prof. Robert Knappe (Orgel)“

Freitag, 6. August, 19 Uhr: Orgel mit Biss zum Thema „Maria“. Gesang. Rita Anton, Orgel: Annette Diening)

Donnerstag, 12. August, 19 Uhr: Interreligiöses Gespräch zum Thema „Weibliche Vorbilder in den abrahamischen Religionen“ mit Josephine Furian (evangelische Flüchtlingskirche), Angelica Hilsebein (Referentin für interreligiösen Dialog, katholisches Erzbistum), der islamischen Theologin Nada Bsaiso und dem Vorsitzenden der jüdischen Reformgemeinde Sukkat-Schalom, Reinhard Liam Rickertsen. Moderation: Rebea Malik (Interkulturelles Zentrum für Dialog und Bildung, IZDB). Organisation: Soldiner Kiez e.V. und IZDB

Freitag, 13. August, 18:30 Uhr: Konzert des D.U.R. Streichquartetts mit Werken von Joseph Haydn und Alexander Borodin

Sonntag, 15. August, 15-19 Uhr: Finissage +
15:30: Lichtbild-Vortrag „Orte des Marienkults in Berlin“ von Diana Schaal;
16:30: Perfomance von Maria Marshall,

17:00: Konzert mit dem Bulgarischen Orthodoxen Chor Berlin e.V.

Die Ausstellung zeigt Werke folgender Künstler*innen: Mimi Bork, Larisa Catano, Charlotte Dorn, Doris Kollmann, Maria Koroleva, Maria Marshall, Magdalena Paz, Bettina Semmer, Friederike Wesser, Oliver O.Rednitz, Daniel Steiner, Igor Volfson, Samuel Wiesemann und Igor Zaidel

Sie können sich über eventuelle weitere Veranstaltungen, zusätzliche Öffnungszeiten, Führungen oder eventuelle Programmänderungen informieren unter https://www.facebook.com/Madonna-im-21-Jahrhundert-101078485509299/ oder https://kunst-und-wirtschaft.berlin/. Bitte zu allen Veranstaltungen bitte vorab anmelden unter upgrademadonna@yahoo.com. Geben Sie am besten auch ihren Immunitätsstatus an und bringen Sie einen entsprechenden Nachweis mit. Wir müssen die jeweils geltenden Corona-Bedingungen berücksichtigen. Musiker*innen und bildende Künstler*innen arbeiten für dieses Projekt unentgeldlich. Wir freuen uns daher, wenn Sie diese mit Spenden unterstützen.

Das gesamte Programm finden Sie hier:

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Holen wir uns die Wohnungen zurück!

Der Soldiner Kiez e.V. unterstützt das Volksbegehren
„Deutsche Wohnen & Co. enteignen“

Im Soldiner Kiez leben sehr viele einkommensschwache Menschen.
Die Bereitstellung von Wohnraum für einkommensschwache Menschen, – insbesondere in Großstädten wie Berlin – ist eine grundlegende Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge!

Berlin kennt eine der wirksamsten Möglichkeiten, um einkommensschwache Menschen dauerhaft mit Wohnraum zu versorgen, den sie auch bezahlen können: Städtische Wohnungsbaugesellschaften. Denn diese sind nicht auf Profit ausgerichtet – im Gegensatz zu privaten Investoren.

Deshalb unterstützen wir als Bürgerverein im Soldiner Kiez
das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“.

Dieses Volksbegehren sieht vor, einen Großteil der einstmals als „Tafelsilber“ an private Investoren wie Deutsche Wohnen & Co. verkauften 200.000 Wohnungen aus dem Bestand von städtischen Wohnungsbaugesellschaften durch Enteignung zurückzuholen und dann in einer Anstalt des öffentlichen Rechts zu verwalten.

In Deutschland sind Enteignungen durchaus möglich – nur eben nicht ohne Entschädigung. Auch das wird im Volksbegehren berücksichtigt: Die Initiative setzt dabei die Entschädigungssumme deutlich unter dem Verkehrswert an. Selbst wenn das gerichtlich nicht durchkommen sollte, und eine höhere Entschädigung bezahlt werden müsste – das Ergebnis bleibt dasselbe:

Diese Wohnungen würden auf Dauer wieder der Stadt Berlin gehören!

Unterschreiben Sie daher bitte so bald wie möglich das

Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“!

Dafür brauchen wir von Februar bis Juni 2021 mindestens 175.000 gültige Unterschriften von Menschen, die zum Berliner Abgeordnetenhaus wahlberechtigt sind., d.h.
a) deutsche Staatsangehörigkeit b) mindestens 18 Jahre alt und c) Hauptwohnsitz in Berlin seit mindestens 3 Monaten.

Zum Unterschreiben geht es hier.

Dort finden Sie Unterschriftenlisten zum Ausdrucken und den vollständigen Text des Inhalts für das Volksbegehren.

Für Volksbegehren können Unterschriften nicht digital gesammelt werden können, da sie als Mittel der Volksgesetzgebung den Wahlen gleichgestellt sind.

Auf der Website finden Sie auch die Adresse der Initiative, wohin Sie ihre ausgefüllte Unterschriftenliste per Post schicken müssen.

Bitte schicken Sie die ausgefüllte Unterschriftenliste
bis spätestens Mittwoch, 23. Juni 2021 zurück!

Ist das Volksbegehren erfolgreich, findet am 26. September 2021 – gleichzeitig mit der Bundestatgswahl – der Volksentscheid darüber statt.

Text: Diana Schaal

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Führungen unserer Kiezhistorikerin im Netz

Unsere Kiezhistorikerin Diana Schaal zeigt mit ihren Führungen immer mehr Stadtteile von Berlin. Vor allem aber zieht sie kreuz und quer durch ihre Heimatquartiere, den Soldiner Kiez und den Badstraßen-Kiez. Dort gibt es alte Fabriken, Villen, Reformwohnungsbau, Gründer-zeitarchitektur und die Freizeiteinrichtungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Nur zur Zeit kann sie die Interessent*innen nicht in real durch ihre geliebten Heimat-Kieze führen. Corona verbietet es, sich im Pulk durch die Straßen zu bewegen. Deshalb hat Diana auf ihrer Website www.schoene-kiezmomente.de vier Spaziergänge vorbereitet, die mensch alleine nachvollziehen kann, zu Fuß mit dem Smartphone oder zu Hause vor dem Rechner.

Eine historischen Führung durchstreift den Soldiner Kiez.
Der Schwerpunkt liegt hier auf der Gründerzeit mit ihren Fabriken, Villen und Wohnhäusern. Hier sind viele interessante Architekturdetails zu sehen.

Villa Schott, Wriezener Str. 10-11, Soldiner Kiez
Foto: Diana Schaal

Eine zweite historische Führung durchquert den Badstaßen-Kiez
Wir erleben die Gegend zwischen der ehemaligen Heilquelle an der heutigen Bibliothek am Luisenbad und dem ehemaligen Lichtburg-Kino am Gesundbrunnen-Bahnhof, und nicht zuletzt die Badstraße als eine Freizeitmeile im 19. und 20. Jahrhundert mit Theatern und Biergärten.

Zum dritten weist die Historische Panke-Führung im Süden ein Stück über die beiden Heimatquartiere unserer Kiezhistorikerin hinaus. Sie folgt dem Lauf der Panke von der Rückseite der Hutfabrik Gattel (Prinzenallee 58) bis zur zum ehemaligen Obdachlosenasyl Wiesenburg, das vor gut 100 Jahren als vorbildlich galt. Mit offenen Augen kann mensch da an der Panke einiges Geschichtsträchtiges entdecken.

Und schließlich kann mensch einer Historischen Grusel-Führung entlang der Panke folgen, die von der Pankstraße zurück in den Soldiner Kiez führt. Dabei bekommt der*die Flaneur*in Geschichten über merkwürdige Zeitgenoss*innen zu lesen. Uns begegnen die letzte Hexe von Berlin, ein Alchemist und jener merkwürdige Ritter Udo mit der gespaltenen Klaue, der angeblich an der Panke spukt.

Es zeigt sich erneut, dass doppelt und dreifach abgelaufene Wege immer wieder neue Perspektiven eröffnen. Leicht entgeht dem*der Spaziergänger*in eine kleine Sehens-würdigkeit. Dankenswerterweise öffnet uns aber ein*e Heimatforscher*in wie Diana die Augen.

Text: Thomas Kilian

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Die Entfaltung des „Plapperzeltes“

Der Kiez hat sich selbst beschenkt. Es ist ein 4 x 4 – Meter-Faltzelt geworden. Mit der kleineren Variante von 3 x 3 Meter haben wir schon gute Erfahrungen gemacht. Das große Zelt von 4 x 4 Meter soll nun eine Kleingruppe für ein Gespräch mit coronagemäßem Abstand aufnehmen können. Unter freiem Himmel und doch vor dem Regen geschützt. Am Sonntag, den 18.November 2020 hat der Soldiner Kiez e.V., der über den Aktionsfonds die finanzielle und organisatorische Abwicklung übernahm, mit einem kleinen Herbstfest das neue Zelt eingeweiht. Aus diesem Anlass hat Vorstandsmitglied Thomas Kilian das Zelt auf den Namen „Plapperzelt“ getauft. Anschließend kommt es – wie schon die kleinen Zelte – auf Brigitte Lüdeckes Leihliste für den Soldiner Kiezes. Für einen kleinen Obolus kann es nun jede*r für Veranstaltungen im Kiez leihen.

Das Fest litt etwas unter dem Wetter und der Zurückhaltung der potentiellen Gäste wegen Corona. Außerdem konnten wir mit dem Hinterhof der Prinzenallee 58 nur den zweitbesten Platz bespielen. Ursprünglich hatten wir die Grüntaler Promenade im Visier. Dort hätte es mehr Laufkundschaft gegeben. Aber das Straßen- und Grünflächenamt „war dagegen sehr“. Auch Wege und Flächen seien Teil der gewidmeten Grünanlage und stünden nur bei „dringlichem öffentlichen Interesse“ zur Verfügung. Dieses Zauberwort nachzuschieben, ließ uns das Amt aber keine weitere Gelegenheit. Wir haben uns jedenfalls bei der zuständigen Stadträtin Sabine Weißler beschwert. Das Ganze war denn auch Gesprächsthema im Bezirksrathaus. Zumindest einige Fraktionen bestätigten uns, dass das Straßen- und Grünflächenamt generell nicht sehr kooperativ sei.

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Sommerausflug des Soldiner Kiez e.V. – die Drei Schlösser-Tour

An der Grenze zwischen Berlin und Potsdam gibt es einen Ort, wo sich gleich drei Schlösser in unmittelbarer Nähe befinden: Schloss Glienicke, Jagdschloss Glienicke und Schloss Babelsberg mit ihren jeweiligen Parks.

Das erschien uns ein lohnendes Ziel für den diesjährigen Sommerausflug des Soldiner Kiez e.V. zu sein. Am 30. August 2020 versammelten sich sieben Teilnehmer/innen vor dem Umspannwerk Christiania und begaben sich per S-Bahn und Bus zum ersten Ziel.

Schloss Glienicke, Löwenfontäne Foto: Diana Schaal

Vor der Südfassade von Schloss Glienicke erzählte Diana Schaal kurz etwas zur Geschichte des Hauses. Karl Friedrich Schinkel hatte das vorherige Landhaus 1824-25 für Prinz Carl von Preußen in eine klassizistische italienische Landvilla umbauen lassen.

Klosterhof mit Wandsarkophag von Pietro d’Abano. Foto: Stefan Höppe

Wir durchstreiften dann zusammen die wunderschöne Gartenanlage mit verschiedenen Brunnen, Ausblicken auf die Havel, Statuen und den steinernen Antiquitäten, die Italien-Fan Carl nach dem Abriss eines mittelalterlichen venezianischen Klosters gerettet hatte. Dazu gehörte auch der Sarkophag des Arabien-kundigen Universitätslehrers Pietro d’Abano aus Padua, der nach seinem Tod nochmals wegen Ketzerei zum Tod verurteilt worden war.

Nach einer kleinen Rast auf schattigen Parkbänken gestärkt, verließen wir die Gartenanlage und folgten der gegenüber einbiegenden Straße zum Jagdschloss Glienicke. Wir fanden auf Anhieb das schmale Gittertor, das neben dem zugemauerten Kurfürstentor auf die Nordseite des Schlosses führt. Auf der Parkseite des Kurfürstentors sahen wir die Medaillons vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und seiner ersten Frau Luise Henriette von Oranien. Der Große Kurfürst hatte das Jagdschloss 1682–93 erbauen lassen.

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Gott wohnt im Wedding – wo sonst?

Regina Scheer und stefan Höppe im Gespräch. Foto: von Hoff

Mit Regina Scheer hat der Soldiner Kiez e.V. eine Autorin zum „Talk im Kiez“ am 9. Januar 2020 eingeladen, die Geschichte zu erzählen weiß. Das gilt für ihre Sachbücher und ihre zwei Romane, darunter dem aktuellen Buch „Gott wohnt im Wedding“, aber auch für ihre eigene Lebensgeschichte. Moderator Stefan Höppe musste die Historikerin nur anstupsen, und sie breitete ihre Lebensgeschichte ausführlich vor dem dicht gedrängten, 30-köpfigen Publikum im Weinlokal „Holz und Farbe“ aus.

Für die jüngeren und manche/n aus dem Westen der Republik war das nicht zuletzt spannend, weil Regina Scheer 1950 in Ostberlin geboren und dann dort aufgewachsen ist. So erfuhren sie von den Nischen in der parteiamtlichen Jugendorganisation FDJ, aber auch von den politischen Eingriffen in deren kritischere Publikationen wie dem „Forum“ und dem „Temperamente“, für die Scheer arbeitete. Ihr erster, preisgekrönter und gut verkaufter Roman „Machandel“ setzt sich denn auch mit systemkritischen Christ/innen aus Pankow auseinander. Dort lebte sie selbst über das Ende der DDR hinaus dann noch bis 2006. Schließlich vertrieben sie die steigenden Mieten in den Wedding.

Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik war für die Autorin von einem persönlichen Schicksalsschlag überschattet: Dem Tod ihres Mannes. Gleichzeitig bedeutete die Vereinigung für sie wie für viele Kulturschaffende einen schwierigen Neuanfang: Die Konkurrenz in einer marktwirtschaftlichen Publizistik stieg sprunghaft, Geld wurde im Gegensatz zum Leben in der DDR auf einmal eine bestimmende Größe. Weiterlesen

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„Menschen helfen Menschen“ arbeitet weiter

Menschen helfen Menschen bis zur Beladung vom Hackenporsche. Foto: Kilian

Die ganze Zivilgesellschaft im Wedding tagt im Moment in Videokonferenzen. Viele kommen damit nur mühsam zurecht. Aber die Aktivist*innen mühen sich. Besonderes ereignete sich aber in der Wollankstr. 58 im Soldiner Kiez.

Dort sitzt ein mit uns gut befreundeter Verein namens „Menschen helfen Menschen“. Der verteilt etwa Lebensmittel an Bedürftige oder Schreibgerät und Ranzen an Schüler*innen aus armen Haushalten. Für ein Weniges können Menschen mit geringem Einkommen Klamotten oder auch Möbel erstehen. Die Arbeit machen fast ausschließlich sogenannte Arbeitslose als Ein-Euro-Jobber*innen. Sie be- und entladen die Transporter und fahren die Sachen zu den Verteilstellen im Wedding, in Hohenschönhausen und Marzahn. Die meisten sind etwas älter. Sie haben wenig Chancen, jemals wieder eine feste Stelle zu finden.

Die Truppe steht hinter dem, was sie tut

„Menschen helfen Menschen“ war schon immer ein besonderer Verein, wo Menschen aus dem Kiez mit minimalen Mitteln ein Maximum erreichten. Das hat sich mit der Covid-19-Viren-Krise noch gesteigert. Denn das Jobcenter hat die Zahlungen für Ein-Euro-Jobber eingestellt. Die Arbeitslosen sollen von Amts wegen daheim bleiben. Die Arbeitskräfte vom „Menschen helfen Menschen“ hätten also mit gutem Recht alles stehen und liegen lassen können und sich in die vielleicht sichereren vier Wände zurückziehen. Doch die Truppe steht hinter dem, was sie tut. Sie beschloss, weiter zu arbeiten. Bei „Menschen helfen Menschen“ gibt es nun einige der wenigen Ausgabestellen für Essenspakete für Bedürftige. Sonst soll man sich in Listen eintragen und auf eine Belieferung warten. Man darf gespannt sein, wie dieses aufgrund der notwendigen Fahrzeuge teure und personalintensive Modell anläuft.

Die drei Transporter sind auch ein ständiges Problem für „Menschen helfen Menschen“. Sie haben ein paar Jahre auf dem Buckel, und es gibt bei ihnen ständig was zu reparieren. Das geht immer in die Tausende. Sprit, Mieten und Heizung sind dagegen kalkulierbar. Aber die Kosten kommen schon auf 6000 bis 8000 Euro im Monat, die vor allem bei Spender*innen zusammengesammelt werden. Ein mühsames Geschäft. Dagegen ist das Zusammentragen von Lebensmitteln nach wie vor allein eine Frage der Menpower. Selbst in den Zeiten von Covid-19 fällt genug aussortiere Ware für Bedürftige an. Das Team von „Menschen helfen Menschen“ ist für diese Arbeit gut eingespielt. Neue Freiwillige werden hier kaum gebraucht, es sei denn ein*e Mechatroniker*in samt Werkstatt.

Es fehlt schlicht etwas Geld

Weil man immer einige Leistungen einkaufen muss, fehlt es dem Projekt schlicht an Geld. Denn mit der Krise fiel aufgrund der Schulschließungen die Verteilung von Schreibsachen weg, und der Verkauf von Möbeln und Gebrauchtklamotten musste aus Hygienegründen bis auf nahe Null eingeschränkt werden. In diesen Bereichen hatte man aber immer einen kleinen Überschuss erwirtschaftet, der über manche Klippe hinweg half. Zudem sind mit dem Beginn der Pandemie auch die Spenden eingebrochen. Deshalb bittet der Soldiner Kiez e.V. unsere Freund*innen von „Menschen helfen Menschen“ mit einer Gabe zu unterstützen. Die Kontoverbindung lautet:

Menschen helfen Menschen

Berliner Sparkasse

IBAN: DE44 1005 0000 6603 0013 04

Kennwort: Kiezsolidarität

Selbstverständlich hat „Menschen helfen Menschen“ bei der Lebensmittelverteilung seine Hygienestandards gesteigert. In der Wollankstraße darf nur jeweils eine Person in die Verteilstelle eintreten. Ansonsten findet die Ausgabe der Lebensmittel nur noch im Freien mit einem angemessenen Abstand zwischen den Personen statt. Die Mitarbeiter*innen des Vereins tragen Masken und Handschuhe. Die Essenspakete gibt es:

  • Wollankstr. 58: Montag bis Mittwoch und Samstag von 10 – 14 Uhr

  • Hohenschönhausen beim Kieztreff Falkenbogen: Mittwoch und Freitag 15.00 bis 16.30 Uhr

  • Marzahn am Blumenberger Damm 12-14: Montag und Donnerstag; 15.00 bis 16.30 Uhr

Wir weisen noch auf folgendes hin:

Die Web-Site von „Menschen helfen Menschen“

Das Aktuellste zu „Menschen helfen Menschen“ steht oft unter facebook

Den Vereinsvorsitzenden, Horst Schmiele, haben wir vor etwas über einem Jahr in unserer Gesprächsveranstaltung „Talk im Kiez“ interviewt. Er hat über seine Vereinstätigkeit hinaus auch sonst ein ungewöhnliches Leben geführt.

Auf unseren Hinweis hin schrieb die ehemalige Kiezschreiberin vom Soldiner Kiez, Tina Veihelmann, einen Artikel für die taz – mit einem anderen Schwerpunkt und weiteren Informationen zu „Menschen helfen Menschen“

 

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Alle Wege führen in den Soldiner Kiez: Austausch mit Künstler*innen aus Novi Sad

Freundschaftsdelegationen reisten im Herbst 2019 zwischen Novi Sad, der mit an die 500 000 Einwohner*innen zweitgrößten Stadt Serbiens, und dem Soldiner Kiez. Zuerst zeigte das dortige Museum für moderne Kunst die Bilder von 14 Künstler*innen aus Berlin. Dann kamen vom 6. bis zum 13. November acht Kolleg*innen aus dem Norden des Balkanstaates in unseren Kiez. Im Katalog war von einer gewissen Ortslosigkeit der modernen Kunst die Rede. Bedeutend seien eher Netzwerke.

Jovan Balov, ein wesentlicher Mitorganisator auf der Berliner Seite, spricht gelegentlich von der „Heimatlosigkeit“ des/der modernen Künstler*in. Von daher war es nicht nur für die Kolonist*innen attraktiv, in einem anerkannten Museum auszustellen, sondern auch unsere Gäste genossen Berlin: Neben der Betreuung ihrer eigenen Ausstellungen in drei Projekträumen (Prima Center Berlin, Wolf & Galentz und Spor Klübü) erkundeten sie die Stadt: Freund*innen besuchen, Verbindungen herstellen und natürlich Museen durchstreifen.

Gäste und Gastgeber beim Empfang in der Nachbarschaftsetage Foto: von Hoff

Der Soldiner Kiez e.V. unterstützte die Kolonie Wedding durch die Organisation eines Rahmenprogramms mit dem Schwerpunkt Migration. Wir veranstalteten einen kleinen Empfang zum Kennenlernen der Beteiligten. Die Haci Bayram Moschee öffnete auf unser Bitten ihre Gebetsräume und erläuterte die Probleme ihrer Religion in einem Zuwanderungsland. Diana Schaal referierte (auf Englisch mit vielen Lichtbildern) über die Geschichte des Soldiner Kiezes: ein Zuwanderungsgebiet von Anfang an. Dafür, dass die Schwaben immer noch gelegentlich in den Gesundbrunnen ziehen, steht sie ja selbst, aber arme Schweizer sind seit dem 18. Jahrhundert seltener geworden. Gemeinsam mit dieser Veranstaltungsreihe unterstützte der Aktionsrat vom QM den Druck des Kataloges und von Flyern. Weiterlesen

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