Auf Spurensuche nach Investor:innen für die Stephanuskirche

Zum einen geht es um Kunst. Galerien und Sammler:innen brauchen Platz für sperrige Bilder und Plastiken. Mit den von uns unterstützten Ausstellungen von Samuel Wiesemann in den Jahren 2021, 2022 und 2023 wurde die Eignung der Stephanuskirche bereits erfolgreich getestet. Aber trotzdem bleibt eine Menge Innenausbau mit Heizung, Sanitär und Elektrik. Solche Gewerke sind üblicherweise nicht die starke Seite eines solchen Personenkreises.

Solchen Investor/Betreiber:innen sagt man außerdem nach, dass sie nur auf Lebenszeit planen. Das Gotteshaus würde also irgendwann an die Kirchengemeinde oder eine andere Gliederung zurückfallen.

Man darf gespannt sein, wie die denkmalgeschützte Innenausstattung und die vorgesehenen Gottesdienste mit verkäuflicher Kunst harmonieren. Der Denkmalschutz lässt aber wohl eine zeitweise Verpackung des sakralen Bildprogramms zu.

Normalerweise ist eine solche Galerie mit einem Café gekoppelt, das natürlich bereits vorhandenen Stätten Konkurrenz macht. Darüber hinaus ist der Aufwertungsdruck eines Ausstellungsraumes gering. Vielleicht muss sich der:die Galerist:in etwas einfallen lassen, um sein Publikum mit dem Straßenbild zu versöhnen.

Heilig-Kreuz-Kirche: Urmutter Berliner Kirchenumnutzung. Lob von Architekt:innen für den flexiblen Raum. Kritik an den Kosten von Umbau und Betrieb. Foto: Niedlich

Eine zweite Möglichkeit bedeutet, das Areal neu zu denken und architektonisch und nutzungstechnisch mit großen Aufwand zu entwickeln. Dann sind Erweiterungen zu erwarten, eine Tiefgarage, Wohnungen, Büros und eine Gastronomie.

Wenn der Denkmalschutz ausreichend entschieden seine Hand über das Kirchenschiff hält, muss es wohl eine Veranstaltungshalle werden.

Die in Frage kommende Sorte Investor/Betreiber:innen hat Erfahrungen mit dem Denkmalschutz, und auch mit mehreren Gewerken, die den dann gestellten Anforderungen genügen.

Damit sich solch eine millionenschwere Sanierung lohnt, rechnen Bauherr:innen für Jahrzehnte. Im Prinzip schließen sie eine Wette auf die Aufwertung des Soldiner Kiezes ab. Nur mit dieser Annahme lassen sich auskömmliche Preise und Mieten für das Ensemble erzielen. Zwar müssen Investor/Betreiber:innen wegen Auflagen seitens der Finanziers der Außenhülle erst einmal 25 Jahre pachten oder mieten. Als Bauherr werden sie aber ein Interesse haben, das Eigentum sich selbst und ihren Nachkommen oder ihren Kund:innen zukommen zu lassen. Man dürfte dann gespannt sein, wie sich das im Vertrag mit der Ev. Kirche niederschlägt.

Zu den Folgen für den Verkehr lässt sich wenig sagen. Einerseits hätten Veranstaltungen einige Parkplatzbedarf zur Folge. Andererseits ist mit einer Tiefgarage vielleicht auch für Besucher:innen zu rechnen. Vielleicht sollen die Besucher:innen dann auch mit selbstfahrenden Taxis kommen. Zwar würde der hoffentlich stilvolle Luxus im Zentrum des Kiezes allein die Aufwertungsprozesse nur wenig beeinflussen. Aber es entstünde ein Interesse an Wechselwirkungen. Diese könnten dann schon zu vermehrten Ausgehmöglichkeiten und steigenden Mieten führen, wenn die Entwicklung von einem Wachstum der Berliner Einwohnerschaft und einer einigermaßen stabilen Wirtschaftsentwicklung gestützt wird.

Zum Verhandlungsgebaren passt besser das Profil eines Immobilienentwicklers. Man kann ihn aber nicht einfach mit irgendwelchen Baulöwen vergleichen. Tatsächlich gibt es in Berlin Paradiesvögel, die es zu einer persönlichen Herausforderung machen, denkmalgeschützte Prachtgebäude zu entwickeln. Es geht dann nicht nur um Geld.

Aber ein solcher Unternehmer will sich auch nicht mutwillig ruinieren. Er wird eine Unternehmenskonstruktion wählen, bei der der Betriebsteil Stephanuskirche schadlos für sein restliches Vermögen pleite gehen kann. Im Konkursfall werden natürlich auch Galerist:innen aus dem Pachtvertrag ausscheiden. Der Spruch in der Kirchengemeinde am Gesundbrunnen, sie habe nichts mehr weiter mit der Stephanuskirche zu tun, könnte also trügerisch erweisen. Wenn der Pächter juristisch nicht mehr existiert, fällt die Stephanuskirche an den Eigentümer zurück. (autor: kilian)

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