Projekte

Wir stecken kaum eine Mark in Vereinsformalia, sondern alles in unsere Projekte. Schon früh zeigte es sich als glückliche Fügung, dass unsere Satzung es ermöglicht, dass ein paar Leute unter dem Vereinsdach in großer Freiheit Arbeitsgemeinschaften betreiben können.

Für die Vereinsgeschichte bedeutende Projekte

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Titelbild des Buches „In den Straßen des Soldiner Kiezes“

Die erste derartige bedeutende Arbeitsgemeinschaft war die AG Kiezforschung, die fast ein halbes Dutzend Untersuchungen über das Image, die Jugend, die Senioren, das Quartiersmangement und informelle Öffentlichkeit im Kiez durchführte. Die entsprechenden Diplomarbeiten erzielten Bestnoten, die Ergebnisse wurden bei gut besuchten Veranstaltungen vorgestellt und ein Zwischenstand unter dem Titel „In den Straßen des Soldiner Kiezes“ veröffentlicht. Das Buch mit einer Auflage von 500 Exemplaren ist längst vergriffen, steht aber in den öffentlichen Bibliotheken und einigen Uni-Bibliotheken, so zum Beispiel in der Bibliothek Luisenbad in der Travemünder Straße.

Projekte haben ihre Zeit: Die Umstände und die AkteurInnen ändern sich. Die AG Kiezforschung arbeitete ein gutes halbes Jahrzehnt von 2003 bis 2009. Ähnlich lang währte das zweite große Vereinsprojekt: das FORUM Soldiner Kiez, das 2006 startete. Neben den Kulturveranstaltungen ist uns dort vor allem die Diskussionsreihe „forum der generationen“ zu Themen der Kommunalpolitik und des Kiezlebens in Erinnerung.

Ein kleines Video über das FORUM Soldiner Kiez mit unserem damaligen Vorstands-mitglied Peter Slavik sehen Sie hier.

Sommerfest 2010_Kinderschminken_M. Becker

Kinderschminken beim Sommerfest des FORUMs 2010. Foto: Michael Becker

Mit unserem Kultur- und Begegnungsprogramm sammelten wir nicht nur viele FreundInnen, sondern drangen auch immer stärker zu den Soldiner UreinwohnerInnen durch: Der heute berenteten Arbeiterklasse des Weddings. Denn, oh Schreck, die Aktiven des Soldiner Kiezvereins waren und sind fast alle aus Westdeutschland zugezogen. So konnten wir uns noch manches über die Entwicklung des Stadtteils aus erster Hand erzählen lassen.

Die Verlagerung zu kleineren  Projekten

Solche „Großprojekte“ kosten Geld und Kraft. Für die finanzielle Seite benutzten wir oft das Programm „Soziale Stadt“, das benachteiligten Stadtteilen aufhelfen will. Zu ihm gehört das Quartiersmanagement in der Koloniestraße. Dieses Programm sollte uns BürgerInnen befähigen, unsere eigenen Belange selbst in die Hand zu nehmen. Das heißt dann gut denglisch „Empowerment“. Allerdings war die Abwicklung der Finanzen ganz im Gegensatz zur behaupteten Bürgernähe immer kompliziert und wurde immer schwieriger. Die EU, der Bund und das Land Berlin rühren gleichzeitig im Fördertopf und die Opposition in Bezirk und Abgeordnetenhaus sowie der Rechnungshof beschwerten sich vehement, wenn mal etwas vom Brei daneben ging, der angeblich Falsche davon naschte oder es auch nur so schien. Man mag das für ihren Job halten, aber genehme Programme werden anders begleitet.

Jedenfalls haben wir uns im Laufe der Zeit darauf verlegt, die Vernetzung im Kiez als unser Hauptanliegen zu betrachten und daneben eine Vielfalt kleinerer Projekte zu betreiben. Manche unserer Mitglieder sind gewerbsmäßige Projekt-Partner der Kommune geworden (siehe Netzwerk). Diese suchen natürlich dann auch unseren Rat als Kiez-Kenner.

Unsere kleineren Projekte haben ganz unterschiedlichen Verlauf genommen: Zu einem Dauerbrenner seit 2009 entwickelte sich unser Kultur- und Bildungsprogramm Schöne Kiezmomente mit eigener Website und seiner Finanzierung eines kleinen Budgets über SpenderInnen. Anderen Projekten war nur ein kürzeres Leben beschieden. Das erfolgreiche Buchfest konnte wegen Einwänden des Bezirksamt nicht fortgesetzt werden. Unsere Beteiligung an der Imagearbeit für den Leopoldtplatz konnten wir nach zwei Weihnachtsmärkten, zwei Konzerten im Rahmen der fete de la musique und einer Kinoveranstaltung an andere weitergeben. Das Stelldichein an der Panke hat durch den Panke-Parcours von KiezKlang eine gesteigerte Wiederbelebung erfahren. Manches wie die Unterstützung des 10-jährigen Galerie-Jubliäums von Jovan Balov und seines Prima Centers in der Biesentaler Straße oder auch ein Europäischer Workshop zur kleinräumigen Selbstständigkeit war auch auf ein einmaliges Ereignis ausgerichtet.

Gute Ideen willkommen!

Wer bei uns mitmacht und eine gute Idee hat, dem legen wir jedenfalls keine Steine in den Weg. Wir freuen uns auf Menschen, die für Projekte im Bereich Kultur und Bildung mit Stadtteilbezug ein Dach suchen. Gern helfen wir auch, Projekte ins Rollen zu bringen, die dann eigenständig ihre Bahn ziehen. Man muss halt mit uns reden und unsere mehr oder weniger guten Ratschläge über sich ergehen lassen.

Text: Thomas Kilian, 2016